Am 9. Mai haben wir einer Mitarbeiterin von Dr. Kristina Schröder den offenen Brief im Bundesfamilienministerium in Berlin überreicht.
Vielen Dank für mittlerweile 24.800 Unterschriften! Mit der Übergabe schließen wir nun die Funktion zum Unterzeichnen des offenen Briefs.
Selbstverständlich haben wir uns – anders als vom Ministerium dargestellt – um einen Termin mit Dr. Kristina Schröder bemüht, aber wir haben leider keinen bekommen. Und selbstverständlich haben wir angekündigt, persönlich die Unterschriften zu überrreichen.
Offenbar hat die Ministerin keinen weiteren Diskussionsbedarf zu den Thesen, die sie in ihrem Buch “Danke, emanzipiert sind wir selber”aufstellt. Es hat den Anschein, als sei Dr. Schröder nicht in der Lage, die gesellschaftliche Diskussion zu führen, die sie selbst angestoßen hat.
Wir wünschen uns nach wie vor die Diskussion mit der Ministerin über ihre Thesen und werden diesem Ziel weiter nachgehen.
24.794 Menschen sagen: “Kristina Schröder? Nicht meine Ministerin!”
Wir fragen: Ministerin Schröder, was haben Sie uns zu sagen?
Offener Brief vom 18.4.2012
Wir sind Menschen, die aus unterschiedlichen politischen Positionen sprechen, die mit Kindern leben oder ohne, die sich Karrieren wünschen, sie bereits machen oder auch nicht, die sich als Feministinnen und Feministen sehen oder auch nicht und wir haben etwas gemeinsam:
Wir fühlen uns von der für Frauen- und Familienpolitik zuständigen Ministerin Kristina Schröder nicht vertreten!
Kristina Schröder lässt uns mit unseren strukturellen Problemen alleine – neuerdings müssen wir uns in ihrem gerade erschienenen Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ sogar sagen lassen, es handle sich bei diesen nicht etwa um problematische Rahmenbedingungen, sondern schlicht um individuelle Probleme und Aushandlungsprozesse.
Liebe Frau Dr. Schröder,
unser Problem sind nicht überkommene Rollenbilder, diktiert von „Feministinnen“, sondern weniger Lohn für gleiche Arbeit, fehlende Kitaplätze, gläserne Decken, die Gefahr von weiblicher Altersarmut aufgrund von Teilzeitarbeit, Niedriglohnsektor und geringfügiger Beschäftigung!
Wir haben großen Respekt vor individuellen Entscheidungen, gerade auch für ein Leben mit Kindern. Aber wir leben in einer Welt, in der Wahlfreiheit noch lange nicht hergestellt ist und in der meistens ein Einkommen nicht reicht, um eine Familie zu ernähren. Wir leben auch in einer Welt, in der Frauen mit Kindern nicht als vollwertige Arbeitnehmerinnen gelten. Im Gegensatz zu Ihnen, Frau Schröder, halten wir die Lösung dieser Probleme aber nicht für eine private Frage des individuellen Verhandlungsgeschicks, sondern schlicht für strukturelle Diskriminierung, der politisch etwas entgegengesetzt werden kann und muss.
Wir fordern Sie auf: Tun Sie endlich, wofür Sie bezahlt werden – von unseren Steuergeldern! Machen Sie Politik für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die echte Wahlfreiheit ermöglichen! Machen Sie den Weg frei für die Quote in Vorständen und Aufsichtsräten, denn ja: Auch angeblich symbolische Politik hilft uns als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern tatsächlich weiter! Setzen Sie sich für eine bessere Verteilung von Arbeit und Chancen zwischen den Geschlechtern ein und kämpfen Sie gegen die skandalöse Lohnlücke von 23 Prozent!
Anders als Sie sind wir nicht „vor allem von Feministinnen“ enttäuscht, sondern von Ihnen.
Wenn Sie gemäß Ihrer individuellen Überzeugung weiterhin vorhaben, die Bedeutung von struktureller Ungleichheit für die aktuelle Lage der Frauen in unserem Land zu leugnen, bitten wir Sie von ganzem Herzen: Machen Sie den Weg frei für eine Ministerin, die unsere Interessen endlich vertritt!
| Erstunterzeichner_innen:Claudia Roth, MdB Renate Künast, MdB Mädchenmannschaft e.V. Terre des Femmes e.V. Antje Schrupp Kegelklub/ Die Piraten Bettina Jarasch Daniel Wesener Monika Lazar MdB Lisa Paus MdB Wolfgang Wieland, MdB Sven-Christian Kindler, MdB Astrid Rothe-Beinlich MdL Thüringen Simon Kowalewski, MdA Berlin Anja Kofbinger, MdA Berlin Dr. Susanna Kahlefeld, MdA Berlin Clara Hermann MdA Berlin Katrin Schmidberger MdA Berlin Marianne Burkert-Eulitz MdA Berlin Malte Spitz Julia Schramm Lena Rohrbach Martina Flasch Andreas Pittrich Lotte Steenbrink Daniel Schweighöfer Birgitta Brockmann Franziska Sauerwein Stephan Urbach Alina Friedrichsen Laura Dornheim Dr. Audrey Podann Friederike Schwebler Christoph R. Alms Yvonne Weber Carola Wesbuer Dr. Melanie Kröger Julia Brummert Tilo Fuchs Laura Törkel Carola Scheibe-Köster Annette Heppel Nina Blinten Paula Riester Christian Honnens Anne Körner Brigitta Brockmann Meike Berg Claudia Schlenker Stefan Lange Sebastian Walter Marion Böker Karoline Killat |
Bis zum 25.4. haben noch folgende Organisationen und Abgeordnete mitunterzeichnet:Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Jürgen Trittin, MdB Elke Ferner, MdB Beate Müller-Gemmeke MdB Frieda-Frauenzentrum e.V. Verein Zündfunke e.V. Therapeutische Frauenberatung e.V. Göttingen Christel Humme, MdB Feministisches FrauengesundheitsZentrum Hagazussa Frauenzentrum Mainz e.V. Feministischer Juristinnentag NRW Frauenzentrum Hexenbleiche, Alzey Frauennotruf Koblenz Frauennotruf München IFFRA e.V. Frauennotruf Münster Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen und Universitätsklinika Schleswig-Holstein LaKoF Ursula Nonnemacher, MdL Brandenburg Dr. Tobias Lindner MdB Günther Felbinger, MdL Bayern Cornelia Lüddemann MdL Sachsen Anhalt Terre des Femmes e.V. Städtegruppe Bielefeld Sabine Niels, MdL Brandenburg Sören Herbst MdL Sachsen-Anhalt Tabea Rößner, MdB Interkulturelles Frauenzentrum S.U.S.I. Dr. Jörg Nickel, MdL Schleswig-Holstein Katja Dörner MdB Lesbenring e.V. Unabhängiger Frauenverband Landkreis Harz e.V. Silke Gajek, MdL Mecklenburg-Vorpommern Beate Walter-Rosenheimer, MdB EWA e.V.- Frauenzentrum Terre des Femmes e.V. Städtegruppe Münster Katharina Oerder, stv. Juso-Bundesvorsitzende Susanne Wendland, Mitglied Bürgerschaft Bremen Ska Keller, MdEP Anke Domscheit-Berg, fempower.me Ulrich Schneider, MdB Ramona Pop, MdA Berlin Caren Marks, MdB Ekin Deligöz, MdB |

